Freitag, 7. August 2015

10. Etappe: Arles - Narbonne

Halbzeit; ich habe meine Tour auf insgesamt 20 Radtage ausgelegt, 10 sind jetzt bereits vorbei. Tatschlich dürften sogar schon etwas mehr als die Hälfte der Kilometer gefahren sein. Bei den Höhenmetern bin ich sicher schon über der Hälfte. Ich werde nun noch 2 weitere Tage fahren und dann in Barcelona am Samstag 4 Tage Pause machen.

Ein kleines Zwischenfazit: Körperlich bin ich eigentlich noch ziemlich fit. So untrainiert hatte ich das eigentlich nicht erwartet. Und mit einem Schnitt von über 25 km/h bin ich auch nicht so arg langsam unterwegs. Man muss ja bedenken, dass man dafür auf der Gerade rd. 30 km/h fahren muss, um die geringeren Geschwindigkeiten beim Abbiegen, bei Anstiegen und vor und nach Ampeln wieder ausgleichen zu können.

Mittlerweile habe ich mich ganz gut an die lange Zeit auf dem Rad gewöhnt. Der Hintern, der zu Beginn am meisten genervt hat ist jetzt unproblematisch. Das Knie ist plötzlich auf wieder ganz ok. Am störendsten sind eigentlich die Fingerspitzen, die immer so taub sind und die Zehenspitze, die weh tun. Sonst alles super.

Zur heutigen Etappe

Wie angekündigt führte meine Reise heute von Arles am Meer entlang durch die Camargue nach Narbonne. Ich hatte ja schon meine Bedenken mit der Route weil einfach so viele seeehr kleine Straßen dabei waren. Nachdem das Internet aber so schwach war und ich nicht noch länge draußen stehen wollte habe ich den Weg nicht so genau überprüft. Leider ein Fehler.

Die ersten Meter gingen noch aber schon aus der Stadt heraus das erste Problem in Form einer Lärmschutzwand. Die kannte mein Routenplaner wohl nicht, war für mich aber natürlich unüberwindbar. Das Problem ist dann eigentlich meist nicht so sehr das Hindernis zu umfahren sondern mehr das Navi selber. Sobald ich nämlich zu weit von dem nächsten Wegpunkt abweiche sehe ich nur mehr die Meldung „soll die Route von Beginn an oder vom nächstgelegenen Wegpunkt berechnet werden?“. Sie soll überhaupt nicht berechnet werde – ich will nur die Karten sehen!!!

So muss ich meist das Handy nehmen und dort auf der Karte schauen wie ich alternativ fahren könnte. Hier verwende ich die App „HERE“ (ist der Nokia Kartendienst) denn diese ist komplett kostenlos und bietet auch kostenlose offline Karten (man kann sich einzelne Länder oder komplett Europa, USA,…) herunter laden. Ist jedenfalls für Android verfügbar, Apple sicher auch.

Auf relativ kleinen Straßen ging es dann weg von Arles Richtung Westen – teils zwischen hohen „Schilfbüschen“, teils zwischen Feldern und Wiesen. Und dann kam das, was an kaum einem Tag fehlen darf – ein Schotterweg. Dieses Mal nur besonders ungünstig weil 1. Elendig lang und 2. Der Umweg recht weit war (ich wäre einem Kanal entlang gefahren). Also  bin den sauren Apfel beißen und die Umfahrung nehmen (10 km -> Tourlänge 180km – nicht „nur“ 170km).





Als ich endlich wieder auf in Richtung meiner eigentlichen Route kam, kam auch noch Gegenwind. Dazu dann noch eine endlos gerade Straße mit viel Verkehr. Naja – da hatte ich schon schönere Straßen aber immerhin ging es Richtung mehr und das war bisher immer interessanter als irgendwo im Hinterland.

Das Meer dort erinnerte mich eher an eine Mischung aus Holland (elendig breiter Strand) und französischem Skiort (dort stehen auch völlig geschmacklose Hotelburgen im Nirgendwo). Und entgegen meiner Hoffnung ging der Weg nicht wirklich am Meer entlang sondern hinter einer Art Wall, so dass ich das Meer immer nur kurz sehen konnte. Das Ganze ist eigentlich nur ein schmaler Streifen, auf dem parallel mehrere Straßen verlaufen, die aber teilweise für Fahrräder plötzlich gesperrt sind. Ich halte mich ja auch gerne an diese Verbote aber es wäre recht hilfreich dazu zu schreiben wo man alternativ fahren kann…. (später hatte ich so eine Situation noch einmal).





Und es kam wie es komme musste. Eine unbefestigte Straße am Kanal entlang. Jetzt wurde es mir zu blöd mit dem ewigen Zurückfahren und ich versuchte es einfach – Steine gibt es auf der Straße ja schließlich auf und die Reifen machen es mit. Alles gut gegangen aber mit taten die Hände weh.

Da ich gestern schon der Fahrt über den Strand nicht getraut habe und die Route gleich geändert habe ging es wieder etwas ins Landesinnere bevor ich bei Sete wieder ans Meer kam. Ich hatte bis dahin noch keine Pause gemacht (vom Orientieren und Wasser kaufen [Exkurs: Da gehe ich am liebsten zum Lidl denn das 22 Cent Wasser schmeckt am besten] abgesehen) und war schon 110 km unterwegs. Kurz nach Sete machte ich in einem Strandrestaurant Pause und wollte danach noch im Meer baden. Kurz mit den Füßen angetestet; – brrrr – viel zu kalt! Warum ist das Meer hier so kalt? 400 km weiter östlich war es angenehm – hier unglaublich kalt – und so empfindlich bin ich da eigentlich nicht. Also doch nur die Füße kurz gebadet.

Zu den Temperaturen muss ich auch eine kleine Korrektur vornehmen. Es ist eher kühler (geworden). Heute hatte es nur ca. 30°C – und damit weniger als in Wien.





Dieses Mal war die Strandstraße etwas netter und führte am Meer entlang mit Blick auf dieses. Am Ende des schmalen Streifens (links das Meer, rechts eine Art Sumpflandschaft ging es Richtung Narbonne. Und in diesem Sumpf leben doch tatsächlich wilde Flamingos. Irgendwie hätte ich die geografisch ganz woanders hin sortiert. Hier der Beweis:



Ich hatte mir nicht mehr viel erwartet für den Rest der Strecke nachdem es bisher eher langweilig war. Aber nun kamen sehr schöne kleine Straßen ohne Verkehr, über kleine Brücken und durch nette Orte. Und das komplett ohne Schotterwege (ok – einer war nah dran aber nachdem noch minimal Asphalt vorhanden war werten wir den einmal als befestigt). Und obwohl es heute viele Kilometer waren ging es irgendwie leicht heute. Dabei hatte ich eher mehr Gegenwind als Rückenwind und die meiste Zeit Seitenwind (nervt auch – vor allem mein Auge).

Mit den Augen ist es nämlich seit ein paar Tagen so, dass vor allem das Linke (Wind kommt meist von dort) nach rd. 110km plötzlich anfängt zu brennen und ich kaum noch etwas sehe. In der Apotheke habe ich mir Augentropfen gekauft – keine Ahnung wofür die genau sind – die Apothekerin sprach natürlich nur französisch und die Anleitung ist auch komplett französisch). Jedenfalls hilft das was in meinem Auge ankommt sehr gut. Ich stelle mich da als Nichtbrillen- und Nichtkontaktlinsenträger fürchterlich blöd an – erst recht weil ich ja keinen Spiegel dabei habe.

Da ich die Tourdaten schon vorgestern vorbereitet hatte und nicht wieder neu aufs Navi laden wollte hatte ich nur „Narbonne“ als Ziel. Da führt einen das Navi meist auf den Hauptplatz. Ich fahre dann immer eine Zeit und bleibe irgendwann stehe und schaue am Handy genau nach wo ich hin muss. So auch heut. Diese Mal lag mein Zeil 15m entfernt!!! Ich stand vor dem Nebenhaus. So genau ist es mir einfach nach Gefühl ohne zu wissen wo das Hotel überhaupt ist noch nicht gelungen.

Narbonne selber ist eine wirklich sehr schöne Stadt, was ich mir so überhaupt nicht erwartet hatte. Ich kannte Narbonne nur vom Namen weil dort ein Autozug hinfährt.

Hier wieder ein paar Bilder vom Abend aus Narbonne:

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Noch mehr Bilder gibt es unter folgendem Link: (Internet mal wieder zu langsam - der 2. Teil folgt nach)


Tourdaten:

Gesamtkilometer Reise: 1.628 km
Tageskilometer: 180,3
Durchschnittsgeschwindigkeit: 26,4 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 58,2 km/h
Fahrzeit: 6:49




Ausblick:

Mein Ziel für die 11. Etappe heißt L’Escala und liegt bereits in Spanien. Ich werde also die 4. Landesgrenze (Monaco mitgerechnet) überqueren. Dort ein Hotel zu finden war ein Drama. Die Orte an der Costa Brava sind doch tatsächlich zu 95% (gem. Booking.com) und mehr ausgebucht. Da gibt es nicht einmal für viel Geld ein schlechtes Hotel. Ich habe jetzt wieder so eins in der Kategorie Arles gebucht. Wegen den Tagesetappenlängen hatte ich leider keine Wahl. Denn wieder 180km tue ich mir nicht an.
Streckenlänge: 162 km
Höhenmeter aufwärts: 543m
Höchster Punkt: 181m


Es sollte eine tolle Küstenstraße dabei sind. Ich bin schon gespannt nach diesen Flachetappen jetzt. Eine besonders interessante Küstenstraße kommt dann auf Etappe 12 – aber dazu mehr morgen.

Die Karte ließ sich leider nicht besser darstellen

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