So spannend wie es gestern war so langweilig wurde es
heute. Ein Frühstück gab es wieder nicht also konnte ich zumindest früh
losfahren. Man merkt, dass es hier schon etwas höher gelegen ist. Bei Start
hatte es nur ca. 24°C.
Was folgte waren unglaublich lange gerade Straßen. Wie an einem
Lineal gezogen (waren sie wahrscheinlich sogar) zog sich die N-430 durch die
Landschaft. Ich habe extra einen Abschnitt etwas vergrößert:
Da sind tatsächlich knapp über 20 km, die es mit Ausnahme
eines kleinen Schlenkers nur geradeaus geht. So stelle ich mir Teile der USA
oder Australien vor aber dass es das hier auch so lang gab hatte ich mir nicht
gedacht.
Aber nicht nur die Strecke war entsetzlich langweilig; ich
hatte Gegenwind! Und war ich nicht wusste
- es ging auch leicht bergauf. Dadurch hatte ich das Gefühl noch weniger
voran zu kommen. Mit Mühe erreichte ich 22 km/h. Bei 171 km konnte das lustig
werden….
Allzu viele Fotos habe ich heute nicht gemacht. Es gab hier
einfach nur die Straße, Wind und Felder. Auf diesen wachsten neben Wein vor
allem Oliven und auch Zwiebel.
Und nun sah ich erstmals auf meiner Reise die zahlreichen
ausländischen Erntehelfer, die hier in der Landwirtschaft tätig sind (in diesem
Fall Zwiebelernte). Kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen.
Ich hatte es gestern ja schon vermutet. Jetzt sah ich
teilweise noch die alte Straße. Diese perfekte Straße war nicht immer so –
immer wieder schlängelt sich neben der Straße eine ältere, viel schmalere und
unebenere Straße um die Hügel. Die neue, auf der ich fuhr war einfach gerade.
Wenn es einen Hügel gab hatte man eine Schneise gegraben, um keine zu starke
Steigung zu haben.
Hier sieht man noch die alte Straße:
Die Gegen hier ist so dünn besiedelt – es gibt tatsächlich
teils 50 km keine Tankstelle. Ich nutze jede Gelegenheit Wasser zu kaufen (bei
den Tankstellen) weil es einfach viel zu wenig Supermärkte gibt. In einem, dem
ersten seit meinen Start nach 55 km nutze ich für ein Frühstück.
Danach kamen unendlich lang keinerlei Orte oder gar Geschäfte.
Nachdem es auch links und rechts nicht wirklich etwas zu sehen gab und ich
schon nicht mehr wusste was ich sonst tun könnte außer einfach nur gerade aus
zu starren begann ich meine Trittfrequenz zu ermitteln. Da mein Tacho keine
Sekunden hat musste ich dieser ansehen bis die Minute umsprang und zählen bis dich
nächste Minute umsprang. Und ich konnte völlig gefahrlos die ganze Zeit auf den
Tacho sehen weil es eben einfach nur geradeaus ging. Der Durchschnittswert
mehrerer Zählungen war 90/upm.
Auf den Fotos kommt es nicht so rüber aber man konnte in
Wirklichkeit extrem weit über das Land sehen. Immer wieder gab es kleine „Erhebungen“,
von denen man einen noch weiteren Blick hatte. Ich sah zu Beginn der geraden
Straße Windräder in einiger Entfernung. Diese waren schlussendlich 30 km
entfernt.
Heute sollte ich auch den höchsten Punkt, den ich in
Spanien passieren würde erreichen. Ich hatte mir vorgestellt, dass dieser am
Ende einer kurvigen Bergstraße liegt mit einem tollen Ausblick. Tatsächlich war
dieser einfach auf einem der Hügel. Und hätte man nicht für die Straße eine
Schneise in den Hügel planiert, hätte ich die 1000m auch erreicht. So waren es
nur 998 m.
Neben der Straße dann immer wieder verlassenen Höfe:
Der starke Gegenwind blieb mir bis zum Ende der Tour
erhalten. Ich hoffe morgen wieder es etwas besser werden.
Hier in Manzanares wohne ich in einem burgähnlichen
Gebäude, in dem es ein paar wirklich nette Zimmer gibt. Leider kein Balkon etc.
Wozu brauche ich einen Balkon?
Ich glaube das habe ich bisher überhaupt nicht erwähnt –
obwohl es mich spätestens jeden 2. Tag stresst. Ich muss Wäsche waschen! Und
nachdem die Strecke schon nicht so recht etwas war, hatte ich auch mit der
Wäsche kein Glück. Es ist ja schon schlimm genug 2 Trikots, 2 Hosen, Socken und
Unterwäsche von Hand zu waschen aber heute durfte ich gleich doppelt waschen.
Gerade war ich fertig die weißen Trikots + Hose zu waschen und hatte sie – wie ich
meinte – clever am Dach befestigt und wollte mit der dunklen Wäsche weiter
machen also es polterte. Ich ahnte es schon – ein Trikot wehte nicht mehr im
Wind sondern lag am Boden im Dreck. Und es war wirklich schmutzig auf dem
Vordach, auf das es gefallen war. Und noch bevor ich das 2. retten konnte lag
auch dieses im Dreck. Beide waren so schmutzig, dass ich komplett wieder von
vorne anfangen konnte. Meine Laune war am Tiefpunkt – zudem es im Zimmer kein
Internet gab, was für mich doch recht wichtig ist, da ich ja wie vor ein paar
Tagen geschildert immer noch recht viel zu tun habe.
Immerhin war es mit dem Essen heute nicht so mühsam, da es
hier verglichen mit gestern und zB Creixell doch einen echten Ort mit
Restaurants gab. Der Einfachheit halber esse ich zumeist Pizza, Mittags Bocadillo
mit Bacon und Queso (das ist ein Baguette mit warmem Speck und Käse). Bikini
(das ist der Toast, den ich so gerne esse mit spanischem Namen) gibt es nicht
überall.
Weitere Bilder wieder in der Galerie:
Tourdaten:
Gesamtkilometer Reise: 2.661 km
Tageskilometer: 172,6 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 23,0 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 64,8 km/h
Fahrzeit: 7:29
Damit man einmal besser sieht wo ich gerade bin habe ich
noch einen Screenshot hinzugefügt mit etwas weniger Zoom. Bisher waren die Orte
ja einigermaßen bekannt – aber hier kann man sich ja sonst überhaupt nicht
orientieren wo ich bin.
Ausblick:
Mein Ziel heißt Almadén. Eigentlich liegt es gar nicht auf
der Route, die ich ursprünglich fahren wollte. Aus 2 Gründen habe ich mich
jedoch dafür entschieden einen Umweg von rd. 20 km zu fahren. Der erst Grund:
Es gab einfach innerhalb von 130- 180 km auf meiner eigentlichen Route keine
Unterkunft. Nicht nur bei booking.com nicht sondern überhaupt nicht. Ich habe
auf google maps die Strecke abgesucht. Es gibt dort nicht einmal eine Tankstelle.
Nach etwas über 200 km hätte ich ein Zimmer bekommen können – das war mir dann
aber zu heftig. Da fahre ich lieber ein paar Kilometer und Höhenmeter mehr und
bin in einer Stadt, in der es auch etwas zum Essen gibt. Der 2. Grund ist, dass die eigentlich Route teils wieder schnurgerade ist. Das hat mir 1x gereicht. Da vergeht die Zeit einfach überhaupt nicht.
Streckenlänge: 163 km
Höhenmeter
aufwärts: 1092 m
höchster
Punkt: 708 m
Zum Wetter: Es wird nun wieder etwas wärmer. Für die nächsten Tage sind jeweils 35°C für mittags voraus gesagt. Also doch spanisches Wetter so wie man es sich vorstellt.
Zum Wetter: Es wird nun wieder etwas wärmer. Für die nächsten Tage sind jeweils 35°C für mittags voraus gesagt. Also doch spanisches Wetter so wie man es sich vorstellt.
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