Montag, 17. August 2015

17. Etappe: Mahora - Manzanares

So spannend wie es gestern war so langweilig wurde es heute. Ein Frühstück gab es wieder nicht also konnte ich zumindest früh losfahren. Man merkt, dass es hier schon etwas höher gelegen ist. Bei Start hatte es nur ca. 24°C.
Was folgte waren unglaublich lange gerade Straßen. Wie an einem Lineal gezogen (waren sie wahrscheinlich sogar) zog sich die N-430 durch die Landschaft. Ich habe extra einen Abschnitt etwas vergrößert:



Da sind tatsächlich knapp über 20 km, die es mit Ausnahme eines kleinen Schlenkers nur geradeaus geht. So stelle ich mir Teile der USA oder Australien vor aber dass es das hier auch so lang gab hatte ich mir nicht gedacht.

Aber nicht nur die Strecke war entsetzlich langweilig; ich hatte Gegenwind! Und war ich nicht wusste  - es ging auch leicht bergauf. Dadurch hatte ich das Gefühl noch weniger voran zu kommen. Mit Mühe erreichte ich 22 km/h. Bei 171 km konnte das lustig werden….

Allzu viele Fotos habe ich heute nicht gemacht. Es gab hier einfach nur die Straße, Wind und Felder. Auf diesen wachsten neben Wein vor allem Oliven und auch Zwiebel.




Und nun sah ich erstmals auf meiner Reise die zahlreichen ausländischen Erntehelfer, die hier in der Landwirtschaft tätig sind (in diesem Fall Zwiebelernte). Kannte ich bisher nur aus dem Fernsehen.



Ich hatte es gestern ja schon vermutet. Jetzt sah ich teilweise noch die alte Straße. Diese perfekte Straße war nicht immer so – immer wieder schlängelt sich neben der Straße eine ältere, viel schmalere und unebenere Straße um die Hügel. Die neue, auf der ich fuhr war einfach gerade. Wenn es einen Hügel gab hatte man eine Schneise gegraben, um keine zu starke Steigung zu haben.

Hier sieht man noch die alte Straße:



Die Gegen hier ist so dünn besiedelt – es gibt tatsächlich teils 50 km keine Tankstelle. Ich nutze jede Gelegenheit Wasser zu kaufen (bei den Tankstellen) weil es einfach viel zu wenig Supermärkte gibt. In einem, dem ersten seit meinen Start nach 55 km nutze ich für ein Frühstück.

Danach kamen unendlich lang keinerlei Orte oder gar Geschäfte. Nachdem es auch links und rechts nicht wirklich etwas zu sehen gab und ich schon nicht mehr wusste was ich sonst tun könnte außer einfach nur gerade aus zu starren begann ich meine Trittfrequenz zu ermitteln. Da mein Tacho keine Sekunden hat musste ich dieser ansehen bis die Minute umsprang und zählen bis dich nächste Minute umsprang. Und ich konnte völlig gefahrlos die ganze Zeit auf den Tacho sehen weil es eben einfach nur geradeaus ging. Der Durchschnittswert mehrerer Zählungen war 90/upm.

Auf den Fotos kommt es nicht so rüber aber man konnte in Wirklichkeit extrem weit über das Land sehen. Immer wieder gab es kleine „Erhebungen“, von denen man einen noch weiteren Blick hatte. Ich sah zu Beginn der geraden Straße Windräder in einiger Entfernung. Diese waren schlussendlich 30 km entfernt.




Heute sollte ich auch den höchsten Punkt, den ich in Spanien passieren würde erreichen. Ich hatte mir vorgestellt, dass dieser am Ende einer kurvigen Bergstraße liegt mit einem tollen Ausblick. Tatsächlich war dieser einfach auf einem der Hügel. Und hätte man nicht für die Straße eine Schneise in den Hügel planiert, hätte ich die 1000m auch erreicht. So waren es nur 998 m.




Neben der Straße dann immer wieder verlassenen Höfe:



Der starke Gegenwind blieb mir bis zum Ende der Tour erhalten. Ich hoffe morgen wieder es etwas besser werden.

Hier in Manzanares wohne ich in einem burgähnlichen Gebäude, in dem es ein paar wirklich nette Zimmer gibt. Leider kein Balkon etc. Wozu brauche ich einen Balkon?
Ich glaube das habe ich bisher überhaupt nicht erwähnt – obwohl es mich spätestens jeden 2. Tag stresst. Ich muss Wäsche waschen! Und nachdem die Strecke schon nicht so recht etwas war, hatte ich auch mit der Wäsche kein Glück. Es ist ja schon schlimm genug 2 Trikots, 2 Hosen, Socken und Unterwäsche von Hand zu waschen aber heute durfte ich gleich doppelt waschen. Gerade war ich fertig die weißen Trikots + Hose zu waschen und hatte sie – wie ich meinte – clever am Dach befestigt und wollte mit der dunklen Wäsche weiter machen also es polterte. Ich ahnte es schon – ein Trikot wehte nicht mehr im Wind sondern lag am Boden im Dreck. Und es war wirklich schmutzig auf dem Vordach, auf das es gefallen war. Und noch bevor ich das 2. retten konnte lag auch dieses im Dreck. Beide waren so schmutzig, dass ich komplett wieder von vorne anfangen konnte. Meine Laune war am Tiefpunkt – zudem es im Zimmer kein Internet gab, was für mich doch recht wichtig ist, da ich ja wie vor ein paar Tagen geschildert immer noch recht viel zu tun habe.

Immerhin war es mit dem Essen heute nicht so mühsam, da es hier verglichen mit gestern und zB Creixell doch einen echten Ort mit Restaurants gab. Der Einfachheit halber esse ich zumeist Pizza, Mittags Bocadillo mit Bacon und Queso (das ist ein Baguette mit warmem Speck und Käse). Bikini (das ist der Toast, den ich so gerne esse mit spanischem Namen) gibt es nicht überall.





Weitere Bilder wieder in der Galerie:


Tourdaten:
Gesamtkilometer Reise: 2.661 km
Tageskilometer: 172,6 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 23,0 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 64,8 km/h
Fahrzeit: 7:29





Damit man einmal besser sieht wo ich gerade bin habe ich noch einen Screenshot hinzugefügt mit etwas weniger Zoom. Bisher waren die Orte ja einigermaßen bekannt – aber hier kann man sich ja sonst überhaupt nicht orientieren wo ich bin.



Ausblick:

Mein Ziel heißt Almadén. Eigentlich liegt es gar nicht auf der Route, die ich ursprünglich fahren wollte. Aus 2 Gründen habe ich mich jedoch dafür entschieden einen Umweg von rd. 20 km zu fahren. Der erst Grund: Es gab einfach innerhalb von 130- 180 km auf meiner eigentlichen Route keine Unterkunft. Nicht nur bei booking.com nicht sondern überhaupt nicht. Ich habe auf google maps die Strecke abgesucht. Es gibt dort nicht einmal eine Tankstelle. Nach etwas über 200 km hätte ich ein Zimmer bekommen können – das war mir dann aber zu heftig. Da fahre ich lieber ein paar Kilometer und Höhenmeter mehr und bin in einer Stadt, in der es auch etwas zum Essen gibt. Der 2. Grund ist, dass die eigentlich Route teils wieder schnurgerade ist. Das hat mir 1x gereicht. Da vergeht die Zeit einfach überhaupt nicht.

Streckenlänge: 163 km
Höhenmeter aufwärts: 1092 m
höchster Punkt: 708 m

Zum Wetter: Es wird nun wieder etwas wärmer. Für die nächsten Tage sind jeweils 35°C für mittags voraus gesagt. Also doch spanisches Wetter so wie man es sich vorstellt.




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