Donnerstag, 13. August 2015

14. Etappe: Creixell - Peniscola

Heute war ich gespannt wie die mit cycleroute.org erstellte Route funktionieren würde. Naviki.org hat mich zwar immer mal wieder auf Schotterstraße/Wanderwege geführt aber zumindest nicht auf für Fahrräder gesperrte Straßen, Autobahnen oder Schnellstraßen. Von daher musste sich der neue Anbieter erst einmal beweisen. Zumindest hatte er meine Route nicht auf winzigen Nebenstraßen sondern der N-340 geplant. Auf dem Teil, auf dem ich gestern gefahren bin waren Fahrräder erlaub – also einmal schauen wie es heute werden würde.

Der Start war einfach – mein Hotel lag mehr oder weniger direkt an der N-340. Zumindest so direkt, dass ich nachts die LKW gehört hatte. Aber nicht nur deswegen hatte ich nicht besonders geschlafen; nebenan war eine Bar und mein Fahrrad parkte einfach im Hof. Man hatte mir zwar gesagt, dass sie es nachts in Restaurant stellen würden, um 00:30 stand es aber immer noch einfach so draußen. Zwar hinter einem Tor aber das war auch nicht weiter versperrt. Da meine Tour mehr oder weniger untrennbar an dem Rad hängt bin ich etwas panisch wenn es nicht ordentlich gesichert scheint.

Wie man am dem nachfolgenden Bericht erkennen kann war es in der Früh aber noch da.

Es ging also mit der neu geplanten Route auf der N-340 los, der ich bis auf kurze Ausnahmen eigentlich den ganzen Tag folgen sollte. Das hat Vor- und Nachteile; der Weg ist leicht zu finden, man kann flüssig fahren und es gibt auf den großen Straßen hier einen sehr breiten und extrem glatten und sauberen Seitenstreifen. In Italien gab es das zwar teilweise auch aber so uneben und voller Schlaglöcher, dass dieser nicht befahrbar war. Hier geht es aber super, so dass ich mit der Straße recht glücklich war. Von der Routenführung zwar nicht wie erhofft eine Küstenstraße aber es ging zügig voran und ich musste nicht nach dem Weg suchen.




Und manchmal ist es auch besonders schön (und in Wien streiten sie herum, ob man um ein paar 1000 EUR bei den Ampeln ein wenig grün streichen sollte - hier sind einfach einmal 5 km Straße rot angemalt):



Es waren auch keinerlei gesperrten Strecken dabei oder Schotterwege. Den ersten Test hat der neue Navigator daher sehr gut bestanden.

Teilweise sah die Straße aber mehr nach Autobahn als nach normaler Überlandstraße aus. Teilweise 2-spurig mit Leitschienen, Auf- und Abfahrten wie auf Autobahnen, großen Schildern und Tankstellen. Aber es waren einige Radfahrer unterwegs, die Polizei hat mich auch nicht angehalten und Schilder gab es auch keine – es war somit scheinbar alles in Ordnung.




Auch hier gibt es neben der Straße so viel alte Industrie und leer stehende Gebäude. In Italien hat mich das schon immer fasziniert aber hier merkt man, dass die Wirtschaft noch stärker betroffen ist:



Was mich auf diesen großen, auch viel von LKW befahrenen Strecken immer schockiert ist, wie schmutzig es neben der Straße ist und was dort an Abfallmengen liegt. Nachdem es heute sonst nicht so spannend war hatte ich genug Zeit den Straßengraben zu beobachten. Dort gibt es scheinbar wirklich alles. Schade, dass ich nicht genug Platz habe etwas mitzunehmen. So habe ich zB einen LKW Außenspiegel gefunden; und zwar diesen Superweitwinkelspiegel, um den Fahrbahnrand auf der Beifahrerseite zu sehen. So einen wollte ich schon immer mal haben. Leider war er noch komplett mit Gehäuse und so zu schwer zum Mitnehmen (und voller Wasser – habe ich aber erst gemerkt als ich es mir über den Schuh geschüttet hatte ;-)  ). Dann habe ich noch ein großes rotes glitzerndes „R“ aus Gummi gefunden. Das habe ich derweil einmal mitgenommen und mit dem Gummiding, das ich am 3. Tag gefunden habe, befestigt. J Auch die vielen schönen Schrauben muss ich alle liegen lassen.

Und wo ich gerade bei Straßenrand bin; es gibt dort leider auch allerlei tote Tiere.
Bis Frankreich führte der Igel (die gibt es hier scheinbar nicht oder sie sind cleverer) die Statistik zahlenmäßig an, gefolgt von nicht mehr erkennbaren kleineren Pelztieren (Mäuse, Ratten, Hamster), danach kamen allerlei Vögel, dann Hasen/Kaninchen. Heute kamen dann noch ein Hund und 2 Schweine hinzu. Da habe ich mich schon etwas erschreckt denn die waren riesig. Es könnte auch sein, dass es Tiertransportopfer waren und keine Verkehrsopfer. Nicht schön aber auch das erlebt man auf einer solchen Tour.

Auch wenn die Vorhersage eher bedecktes Wetter angekündigt hatte wurde es um 10 Uhr wieder sonnig. Und die nur 30°C waren dann auch nicht mehr ganz richtig. Bei meiner Mittagspause auf einen Supermarktparkplatz war es dann schon deutlich wärmer im Schatten:



Sobald man fährt kühlt der Fahrtwind aber so angenehm, dass es mir nicht so warm vorkommt. Vormittags hatte ich noch relativ viele Rennradfahrer getroffen, gegen Mittag wurde es dann immer weniger. Tourenfahrer gibt es nahezu keine mehr. Einen Holländer (nehme ich an – auf seinem Schutzblech steht „Amsterdam“), den ich gestern schon einmal überholt hatte habe ich bei einem Supermarkt heute wieder gesehen.

Bevor ich losgefahren bin hatte ich gedacht immer wieder auf andere Radfahrer zu treffen und mich mit diesen zu unterhalten. Nach 14 Etappen war dies ein großer Irrtum. Ich habe bisher mit überhaupt niemandem auf dem Fahrrad gesprochen (sonst eigentlich auch nicht – nur beim Essen und im Hotel). Es sind einfach zu wenige andere Radfahrer unterwegs und dann eigentlich immer deutlich gemütlicher, so dass ich sie nur kurz überhole und schon wieder vorbei bin. In meinen Pausen war nie jemand in der Nähe.

Meine Übernachtung hatte ich gestern eigentlich nur hier in Peniscola gebucht weil es ziemlich genau auf der Hälfte der Strecke lag und vor einen längeren Anstieg war, den ich mir zum Abschluss nicht mehr antun wollte.

Meine Erwartung war wieder so eine (fürchterliche) spanische Touristenmetropole vorzufinden. Für einen großen Teil von Peniscola war das auch wohl auch richtig. Für den Teil, in dem ich wohne jedoch nicht. Es ist eine auf einen Felsen gebaute Altstadt mit einer „Burg“, einem Leuchtturm und einer Unmenge kleiner Gassen mit Geschäften und Restaurants. Mich erinnert das hier sehr an Vieste. Vieste ist ein kleiner Ort am Beginn des Absatzes vom Italien-Stiefel, wo wir vor 5 Jahren waren. Wirklich sehr schön hier und beim Abendessen auf den Sonnenuntergang über das Meer zu schauen ist schon wirklich schön











Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es dabei aber. Man hatte meine Buchung meiner Ansicht nach vergessen/übersehen und eigentlich kein Zimmer mehr. Ich habe nun ein Erdgeschosszimmer, in dem es zwar 4 Lichtschalter aber nur eine Lampe (Badezimmer funktioniert nicht) gibt. Fenster öffnen wird nicht funktionieren weil davor die Touristen entlang schlendern und eine Klimaanlage gibt es nicht. Dafür wurde der Preis ohne Nachfragen von 80 Eur auf 30 Eur reduziert. So sieht das dann von außen aus:



Aber bevor ich wieder nach draußen kam dauerte es ein wenig. Die Tür war verklemmt und ich eingesperrt…. Jetzt waren die Gitter besonders ungünstig:



Aber da es die Haustür war, war nicht nur ich eingesperrt sondern auch andere Gäste:



Wir wurden kurz danach wieder befreit.

Da es heute nur eine relativ kurze Tour war, kam ich recht entspannt um kurz nach 17 Uhr bereits an. Auch gab es keine ernsthaften Pannen oder technischen Probleme. Was sich allerdings als zuverlässig unzuverlässig qualifiziert hat sind die Speichen am Hinterrad. In Barcelona hatte ich alles noch einmal überprüft, war heute einen schon wieder so locker, dass ich den Speichennippel in der Felgenöse klappern hörte. Auch die Taschen schaffen es nicht so ganz die Vorschusslorbeeren, mit denen ich sie vor Beginn meiner Reise bedacht hatte zu erfüllen. Auch hier hatte ich schon mehrmals alle Schrauben kontrolliert, fehlte heute an der gleichen Stelle wieder (dieses Mal auf der anderen Seite) eine Schraube und der untere Halter baumelte herum. Gut, dass mir der nette Fahrradverkäufer damals Ersatzschrauben mitgegeben hatte und ärgerlich, dass ich es erst merkte als die Taschen fertig gepackt waren (alles wieder raus).

Mein Knie, mit dem ich auf der 4. Etappe große Sorgen hatte ist offenbar wieder völlig in Ordnung und auch sonst gibt es derzeit keine Probleme.

Weiter Bilder gibt es hier:


Genug für heute denn so viel ist ja auch nicht passiert; BTW: Das Schreiben von diesem Blog ist doch recht zeitaufwendig. Mit allem, was dazu gehört sitze ich jeden Abend rd. 2-3 Stunden am Laptop. Man könnte denken, dass ja nur ein paar Sätze zu schreiben sind, tatsächlich schaut es so aus:

1.    Fotos von der Kamera laden, aussortieren, drehen
2.    Upload der Fotos starten, Galerie erstellen, Link erstellen
3.    Log vom Logger laden, Screenshots erstellen, raufladen
4.    Tachodaten in Tabelle eintragen
5.    Text schreiben (mache ich meist wenn ich auf das Essen warte und nach dem Essen im Restaurant)
6.    Verlinkungen im Blog erstellen, Fotos einfügen, Tourdaten einfügen
7.    Route für den nächsten Tag planen – je nach Internetverbindung eine sehr zähe Angelegenheit (genauso wie das Uploaden der Fotos)
8.    Route in den Blog eintragen, Screenshot erstellen
9.    GPX Datei herunter laden, mit anderer Website daraus eine Route erstellen, die mein Navi verarbeiten kann
10. Hotel suchen (mache ich parallel zur Routenplanung), buchen, in Kalender eintragen

Wenn ich dann noch auf Emails, die ich bekommen habe antworte und schon einmal für die nächsten Tage im Voraus nach der Route und den Hotels schaue, sitze ich oft bis nach 0 Uhr am Laptop. Der morgige Bericht wird daher evtl. erst übermorgen irgendwann kommen.


Tourdaten:

Gesamtkilometer Reise: 2.189 km
Tageskilometer: 155,7 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 24,2 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 54,3 km/h
Fahrzeit: 6:26





Ausblick:

Wie schon angekündigt ist mein letzter Stopp an der Küste bevor in das Landesinnere in Richtung Portugal abbiege Valencia. Da danach vermutlich (ich schreibe vermutlich denn wie man gleich lesen kann täuscht man sich manchmal) nicht mehr sehr viel Sehenswertes kommen wird, werde ich meinen Pausentag dieses Mal bereits nach 2,5 Etappen einlegen. Morgen fahre ich daher nach Valencia und werde den Samstag dann auch dort verbringen. Da sich auch vom Wetter (Samstag soll es in Valencia teilweise regnen – da bin ich lieber mit Schirm in einer Stadt als auf dem Rad) dieser Plan am ehesten anbietet trifft es sich ganz gut.

Streckenlänge: 141 km
Höhenmeter aufwärts: 696 m
Höchster Punkt: 161 m

(mit den Höhenmetern bin ich mir nicht ganz sicher – die kommen mir fast etwas viel vor. Gestern sollten es angeblich fast 1000 gewesen sein, was jedoch weniger vorkam. Da ich zur Planung ja nicht mehr naviki.org verwende, wo die Höhenmeter immer recht realistisch erschienen könnte es auch sein, dass hier etwas nicht stimmt)









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