Heute war ich gespannt wie die mit cycleroute.org erstellte Route
funktionieren würde. Naviki.org hat mich zwar immer mal wieder auf
Schotterstraße/Wanderwege geführt aber zumindest nicht auf für Fahrräder
gesperrte Straßen, Autobahnen oder Schnellstraßen. Von daher musste sich der
neue Anbieter erst einmal beweisen. Zumindest hatte er meine Route nicht auf
winzigen Nebenstraßen sondern der N-340 geplant. Auf dem Teil, auf dem ich
gestern gefahren bin waren Fahrräder erlaub – also einmal schauen wie es heute
werden würde.
Der Start war einfach – mein Hotel lag mehr oder weniger direkt an
der N-340. Zumindest so direkt, dass ich nachts die LKW gehört hatte. Aber
nicht nur deswegen hatte ich nicht besonders geschlafen; nebenan war eine Bar
und mein Fahrrad parkte einfach im Hof. Man hatte mir zwar gesagt, dass sie es
nachts in Restaurant stellen würden, um 00:30 stand es aber immer noch einfach
so draußen. Zwar hinter einem Tor aber das war auch nicht weiter versperrt. Da
meine Tour mehr oder weniger untrennbar an dem Rad hängt bin ich etwas panisch
wenn es nicht ordentlich gesichert scheint.
Wie man am dem nachfolgenden Bericht erkennen kann war es in der
Früh aber noch da.
Es ging also mit der neu geplanten Route auf der N-340 los, der
ich bis auf kurze Ausnahmen eigentlich den ganzen Tag folgen sollte. Das hat
Vor- und Nachteile; der Weg ist leicht zu finden, man kann flüssig fahren und
es gibt auf den großen Straßen hier einen sehr breiten und extrem glatten und
sauberen Seitenstreifen. In Italien gab es das zwar teilweise auch aber so
uneben und voller Schlaglöcher, dass dieser nicht befahrbar war. Hier geht es
aber super, so dass ich mit der Straße recht glücklich war. Von der
Routenführung zwar nicht wie erhofft eine Küstenstraße aber es ging zügig voran
und ich musste nicht nach dem Weg suchen.
Und manchmal ist es auch besonders schön (und in Wien streiten sie herum, ob man um ein paar 1000 EUR bei den Ampeln ein wenig grün streichen sollte - hier sind einfach einmal 5 km Straße rot angemalt):
Es waren auch keinerlei gesperrten Strecken dabei oder
Schotterwege. Den ersten Test hat der neue Navigator daher sehr gut bestanden.
Teilweise sah die Straße aber mehr nach Autobahn als nach normaler
Überlandstraße aus. Teilweise 2-spurig mit Leitschienen, Auf- und Abfahrten wie
auf Autobahnen, großen Schildern und Tankstellen. Aber es waren einige
Radfahrer unterwegs, die Polizei hat mich auch nicht angehalten und Schilder
gab es auch keine – es war somit scheinbar alles in Ordnung.
Auch hier gibt es neben der Straße so viel alte Industrie und leer
stehende Gebäude. In Italien hat mich das schon immer fasziniert aber hier
merkt man, dass die Wirtschaft noch stärker betroffen ist:
Was mich auf diesen großen, auch viel von LKW befahrenen Strecken
immer schockiert ist, wie schmutzig es neben der Straße ist und was dort an
Abfallmengen liegt. Nachdem es heute sonst nicht so spannend war hatte ich
genug Zeit den Straßengraben zu beobachten. Dort gibt es scheinbar wirklich
alles. Schade, dass ich nicht genug Platz habe etwas mitzunehmen. So habe ich
zB einen LKW Außenspiegel gefunden; und zwar diesen Superweitwinkelspiegel, um
den Fahrbahnrand auf der Beifahrerseite zu sehen. So einen wollte ich schon
immer mal haben. Leider war er noch komplett mit Gehäuse und so zu schwer zum
Mitnehmen (und voller Wasser – habe ich aber erst gemerkt als ich es mir über
den Schuh geschüttet hatte ;-) ). Dann
habe ich noch ein großes rotes glitzerndes „R“ aus Gummi gefunden. Das habe ich
derweil einmal mitgenommen und mit dem Gummiding, das ich am 3. Tag gefunden
habe, befestigt. J Auch die vielen schönen Schrauben muss ich
alle liegen lassen.
Und wo ich gerade bei Straßenrand bin; es gibt dort leider auch
allerlei tote Tiere.
Bis Frankreich führte der Igel (die gibt es hier scheinbar nicht
oder sie sind cleverer) die Statistik zahlenmäßig an, gefolgt von nicht mehr
erkennbaren kleineren Pelztieren (Mäuse, Ratten, Hamster), danach kamen
allerlei Vögel, dann Hasen/Kaninchen. Heute kamen dann noch ein Hund und 2
Schweine hinzu. Da habe ich mich schon etwas erschreckt denn die waren riesig.
Es könnte auch sein, dass es Tiertransportopfer waren und keine Verkehrsopfer.
Nicht schön aber auch das erlebt man auf einer solchen Tour.
Auch wenn die Vorhersage eher bedecktes Wetter angekündigt hatte
wurde es um 10 Uhr wieder sonnig. Und die nur 30°C waren dann auch nicht mehr
ganz richtig. Bei meiner Mittagspause auf einen Supermarktparkplatz war es dann
schon deutlich wärmer im Schatten:
Sobald man fährt kühlt der Fahrtwind aber so angenehm, dass es mir
nicht so warm vorkommt. Vormittags hatte ich noch relativ viele Rennradfahrer
getroffen, gegen Mittag wurde es dann immer weniger. Tourenfahrer gibt es
nahezu keine mehr. Einen Holländer (nehme ich an – auf seinem Schutzblech steht
„Amsterdam“), den ich gestern schon einmal überholt hatte habe ich bei einem
Supermarkt heute wieder gesehen.
Bevor ich losgefahren bin hatte ich gedacht immer wieder auf
andere Radfahrer zu treffen und mich mit diesen zu unterhalten. Nach 14 Etappen
war dies ein großer Irrtum. Ich habe bisher mit überhaupt niemandem auf dem
Fahrrad gesprochen (sonst eigentlich auch nicht – nur beim Essen und im Hotel).
Es sind einfach zu wenige andere Radfahrer unterwegs und dann eigentlich immer
deutlich gemütlicher, so dass ich sie nur kurz überhole und schon wieder vorbei
bin. In meinen Pausen war nie jemand in der Nähe.
Meine Übernachtung hatte ich gestern eigentlich nur hier in
Peniscola gebucht weil es ziemlich genau auf der Hälfte der Strecke lag und vor
einen längeren Anstieg war, den ich mir zum Abschluss nicht mehr antun wollte.
Meine Erwartung war wieder so eine (fürchterliche) spanische
Touristenmetropole vorzufinden. Für einen großen Teil von Peniscola war das
auch wohl auch richtig. Für den Teil, in dem ich wohne jedoch nicht. Es ist
eine auf einen Felsen gebaute Altstadt mit einer „Burg“, einem Leuchtturm und
einer Unmenge kleiner Gassen mit Geschäften und Restaurants. Mich erinnert das
hier sehr an Vieste. Vieste ist ein kleiner Ort am Beginn des Absatzes vom
Italien-Stiefel, wo wir vor 5 Jahren waren. Wirklich sehr schön hier und beim
Abendessen auf den Sonnenuntergang über das Meer zu schauen ist schon wirklich
schön
Einen kleinen Schönheitsfehler gibt es dabei aber. Man hatte meine
Buchung meiner Ansicht nach vergessen/übersehen und eigentlich kein Zimmer
mehr. Ich habe nun ein Erdgeschosszimmer, in dem es zwar 4 Lichtschalter aber
nur eine Lampe (Badezimmer funktioniert nicht) gibt. Fenster öffnen wird nicht
funktionieren weil davor die Touristen entlang schlendern und eine Klimaanlage
gibt es nicht. Dafür wurde der Preis ohne Nachfragen von 80 Eur auf 30 Eur
reduziert. So sieht das dann von außen aus:
Aber bevor ich wieder nach draußen kam dauerte es ein wenig. Die
Tür war verklemmt und ich eingesperrt…. Jetzt waren die Gitter besonders
ungünstig:
Aber da es die Haustür war, war nicht nur ich eingesperrt sondern
auch andere Gäste:
Wir wurden kurz danach wieder befreit.
Da es heute nur eine relativ kurze Tour war, kam ich recht
entspannt um kurz nach 17 Uhr bereits an. Auch gab es keine ernsthaften Pannen
oder technischen Probleme. Was sich allerdings als zuverlässig unzuverlässig
qualifiziert hat sind die Speichen am Hinterrad. In Barcelona hatte ich alles
noch einmal überprüft, war heute einen schon wieder so locker, dass ich den
Speichennippel in der Felgenöse klappern hörte. Auch die Taschen schaffen es
nicht so ganz die Vorschusslorbeeren, mit denen ich sie vor Beginn meiner Reise
bedacht hatte zu erfüllen. Auch hier hatte ich schon mehrmals alle Schrauben
kontrolliert, fehlte heute an der gleichen Stelle wieder (dieses Mal auf der
anderen Seite) eine Schraube und der untere Halter baumelte herum. Gut, dass
mir der nette Fahrradverkäufer damals Ersatzschrauben mitgegeben hatte und
ärgerlich, dass ich es erst merkte als die Taschen fertig gepackt waren (alles
wieder raus).
Mein Knie, mit dem ich auf der 4. Etappe große Sorgen hatte ist
offenbar wieder völlig in Ordnung und auch sonst gibt es derzeit keine
Probleme.
Weiter Bilder gibt es hier:
Genug für heute denn so viel ist ja auch nicht passiert; BTW: Das
Schreiben von diesem Blog ist doch recht zeitaufwendig. Mit allem, was dazu
gehört sitze ich jeden Abend rd. 2-3 Stunden am Laptop. Man könnte denken, dass
ja nur ein paar Sätze zu schreiben sind, tatsächlich schaut es so aus:
1.
Fotos von der Kamera laden, aussortieren, drehen
2.
Upload der Fotos starten, Galerie erstellen, Link erstellen
3.
Log vom Logger laden, Screenshots erstellen, raufladen
4.
Tachodaten in Tabelle eintragen
5.
Text schreiben (mache ich meist wenn ich auf das Essen warte und
nach dem Essen im Restaurant)
6.
Verlinkungen im Blog erstellen, Fotos einfügen, Tourdaten einfügen
7.
Route für den nächsten Tag planen – je nach Internetverbindung
eine sehr zähe Angelegenheit (genauso wie das Uploaden der Fotos)
8.
Route in den Blog eintragen, Screenshot erstellen
9.
GPX Datei herunter laden, mit anderer Website daraus eine Route
erstellen, die mein Navi verarbeiten kann
10. Hotel suchen (mache ich
parallel zur Routenplanung), buchen, in Kalender eintragen
Wenn ich dann noch auf Emails, die ich bekommen habe antworte und
schon einmal für die nächsten Tage im Voraus nach der Route und den Hotels
schaue, sitze ich oft bis nach 0 Uhr am Laptop. Der morgige Bericht wird daher
evtl. erst übermorgen irgendwann kommen.
Tourdaten:
Gesamtkilometer Reise: 2.189 km
Tageskilometer: 155,7 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 24,2 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 54,3 km/h
Fahrzeit: 6:26
Ausblick:
Wie schon angekündigt ist mein letzter Stopp an der Küste bevor in
das Landesinnere in Richtung Portugal abbiege Valencia. Da danach vermutlich
(ich schreibe vermutlich denn wie man gleich lesen kann täuscht man sich
manchmal) nicht mehr sehr viel Sehenswertes kommen wird, werde ich meinen
Pausentag dieses Mal bereits nach 2,5 Etappen einlegen. Morgen fahre ich daher
nach Valencia und werde den Samstag dann auch dort verbringen. Da sich auch vom
Wetter (Samstag soll es in Valencia teilweise regnen – da bin ich lieber mit
Schirm in einer Stadt als auf dem Rad) dieser Plan am ehesten anbietet trifft
es sich ganz gut.
Streckenlänge: 141 km
Höhenmeter aufwärts: 696 m
Höchster Punkt: 161 m
(mit den Höhenmetern bin ich mir nicht ganz sicher – die kommen
mir fast etwas viel vor. Gestern sollten es angeblich fast 1000 gewesen sein,
was jedoch weniger vorkam. Da ich zur Planung ja nicht mehr naviki.org
verwende, wo die Höhenmeter immer recht realistisch erschienen könnte es auch
sein, dass hier etwas nicht stimmt)
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