Stimmt aber nicht. Ich hatte vor dieser Etappe schon etwas Respekt. Nominell (ich traue dem neuen Routenplaner mit den Höhenmetern ja nicht so recht) war es die Etappe mit den meisten Höhenmetern überhaupt. Entweder die Angaben stimmen nicht oder es hat mittlerweile ein Trainingseffekt eingesetzt so leicht fiel es mir heute. Man sieht auch an der gar nicht so niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeit, dass ich nicht so langsam unterwegs war. Dabei kam zum Schluss sogar noch Gegenwind dazu. Aber der Reihe nach.
Meine Erwartungen waren gering, die Angst dass es sehr anstrengend sein würde umso größer. Bei beidem lag ich daneben.
Da zum Glück Sonntag ist war die Fahrt aus der Stadt heraus sehr entspannt. Danach fuhr ich erst wieder auf einer sehr breiten, autobahnähnlichen Straße rd. 40 km.
Ich hatte mir gemerkt, dass die richtigen Höhenmeter bei km 40 beginnen. Dort bog ich auf einen kleinere Straße ab. Und diese bzw. die folgenden 40 km waren schon Grund genug überhaupt auf diesem Weg nach Lissabon zu fahren. Wie fad war die Straße, die ich von Barcelona nach Valencia gefahren bin dagegen. Man kam dort zwar schnell voran aber es ging nur schnurgerade auf dem Seitenstreifen entlang.
Hier nun das komplette Gegenteil. Nahezu kein Autoverkehr, herrliche Aussichten, anspruchsvolle Steigungen, auf die geniale Abfahrten folgten. Ich hatte mich in meiner Vorstellung vom Hinterland komplett getäuscht. Es ist so schön hier wie ich es niemals erwartet hatte. Allerdings auch sehr einsam. An der kleinen Straße gab es über 20 km keine einzige Ortschaft. Hier und da einzelne, häufig verlassen wirkende Häuser aber sonst nichts.
Noch dazu kommen perfekte Straßen. Gerechnet hatte ich damit, dass in Spanien die Straßen die schlechtesten sein würden. Tatsächlich würde ich bis jetzt das Ranking eher so sehen:
1. Spanien
2. Frankreich
3. Österreich
4. Italien
So perfekt glatte und saubere Straßen wie hier habe ich überhaupt noch nicht gesehen. Die größere Straße, auf der ich jetzt zum Schluss gefahren bin scheint überhaupt recht neu zu sein. Keine Ahnung wofür man in dieser Gegend eine derart gut ausgebaute Straße braucht..
Dazu noch komplett eingezäunt, dass es nicht einmal tote Tiere gibt. Auch kein Abfall neben der Straße - ich bin komplett begeistert.
Die Landschaft heute war sehr abwechslungsreich. Erst noch eher karg wurde es mit zunehmender Höhe immer grüner.
Jetzt bin ich schon einige Zeit auf einer Art höher gelegenem Plateau unterwegs, wo es auch wieder Landwirtschaft gibt. Soweit ich gesehen habe wir aber mehr oder weniger nur Rotwein angebaut (bzw. rote Trauben natürlich).
Recht einsam und dünn besiedelt ist es aber weiterhin. Nach meinem Mittagessen habe ich 40 km keine einzige Möglichkeit gefunden etwas zum Trinken zu kaufen. Da ich mich dort schon kaum um Essen zu bekommen verständigen konnte, dachte ich es wäre einfacher eine Wasserflasche an einer Tankstelle zu kaufen. Nur leider kam die erst 40 km später. Ich hatte aber den ganzen Tag nur die 1,8 Liter im Rucksack + zum Mittagessen 2 Dosen Cola.
Kurz vor der Tankstelle dann Reifenpanne Nummer 4.
Wo ich gerade bei Pannen bin. Bis auf die ewig luftleeren Reifen, die Taschen und die losen Speichen funktioniert alles bestern. Zum Schluss ist jetzt ein Knackgeräusch, das mich nervt dazu gekommen. Mal schauen, ob ich heraus finde was das ist.
Was ich allerdings festellen muss, ist dass die Ultegra Kurbel extrem anfällig für Kratzer ist. Mir ist heute ganz leicht die Kette herunter gefallen und hat gleich einen ordentlichen Kratzer auf dem Kurbelarm hinterlassen. Als in einmal über eine Wiese bin und ganz leicht etwas Erde touchiert habe ebenfalls. Von der 3 Kratzer, die das Rad jetzt hat (habe bin Absteigen einmal nicht aufgepasst und mit dem Fuß das Oberrohr erwischt), sind 2 auf der Kurbel. Da ist die Oberfläche irgendwie nicht ganz optimal - so anfällig sind meine anderen Kurbeln da bei weitem nicht.
Jetzt hat sich der Adapter, den ich vorgestern gekauft habe bezahlt gemacht. Der Tankstellenkompressor hat tatsächlich 7 bar geschafft.
Wie auf einer Autobahn ging es weiter zum Hotel:
Das hier ist schon der größte Ort in der Umgebung. Mit dem Essen ist es aber wieder kompliziert. Ein Restaurant gibt es nur hier im Hotel. Die diversen Bars, die es gibt und die auch gut besucht sind habe überhaupt nichts zum Essen. Das Fest, das hier offenbar gestern war wird gerade abgebaut. Ich war ja schon etwas entsetzt, dass es zwar keine Essen, dafür aber einen Brakedancer (dachte ich erst) gibt:
Ich habe hier im Hotel nun verstanden, dass es erst ab 20:30 essen gibt. BTW: Die Verständigung ist echt kompliziert. Die sprechen einfach überhaupt kein einziges Wort englisch. An der Tankstelle hat er einfach "Air" nicht verstanden (dabei schreibt man es auf spanisch fast ident "Aire") - er wollte mir immer zeigen wo die Waschanlage ist - als ob ich die mit dem Fahrrad brauchen würden.... Im Imbis heute Mittag sprach jemand am Nebentisch etwas englisch. Vorher im Hotel als ich wissen wollte, ob es etwas zum Essen gibt von den 15 Leuten in der Bar niemand, gerade eine "Köchin" konnte mir "half past eight" sagen.
Und was mich daran am meisten stört; die wirken hier total genervt und schauen mich an als wäre ich der Trottel. Ich erwartet ja nicht, dass sie deutsch sprechen aber zumindest etwas sollte man doch in der Schule gelernt haben englisch zu sprechen...
Nachtrag: Ich habe richtig verstanden - das Restaurant ist geöffnet und komplett voll. Draußen und drinnen - insgesamt locker 25 Tische. Hätte ich niemals erwartet. Um 19:30 war kein Mensch hier.
Auf Englisch versteht mich niemand hier - dafür spricht eine Kellnerin deutsch. Da musste ich erst einmal drauf kommen...
Alle Bilder gibt es hier:
Link zur Galerie von Etappe 16
Tourdaten:
Gesamtkilometer Reise: 2.488 km
Tageskilometer: 154,2 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 23,5 km/h
Höchstgeschwindigkeit: 70,1 km/h
Fahrzeit: 6:33Irgendwie komme ich mir ja fast etwas lächerlich vor, dass ich für 2.488 km 16 Etappen mit Pausen brauche.
Es gibt Menschen, die fahren im Renntempo 2.200 km in 3,5 Tagen oder machen 41 Ironman hintereinander:
http://sport.orf.at/stories/2236138/2236136/
http://sport.orf.at/stories/2236138/2235896/
Ausblick:
Morgen kommt die 2. Schlüsseletappe auf meinem verbleibenden Weg nach Lissabon weil noch einmal "relativ" viele Höhenmeter dabei sind. Danach wird es deutlich weniger bzw. geht eher abwärts als aufwärts.
Da Orte wieder recht dünn verteilt sind muss ich etwas weiter fahren. Dafür konnte ich im Voraus buchen. Übermorgen wird es deutlich komplizierter - da gibt es auf booking.com überhaupt kein Hotel.
Streckenlänge: 172 km
Höhenmeter aufwärts: 1235 m
höchster Punkt: 998 m
Link zu cycleroute.org 17. Etappe
Und zum Schluss noch einmal eine Statistik zu den Seitenaufrufen. Ich habe tatsächlich schon deutlich über 1.000 Seitenaufrufe aus 10 verschiedenen Ländern. Es freut mich wirklich, dass so viele meine Reise so kontinuierlich verfolgen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen