Samstag, 1. August 2015

5. Etappe: Vicenza - Piacenza

Meine heutige Etappe führte mich von Vicenza nach Piacenza und sollte die längste meiner bisherigen Reise werden.

Irgendwie war es nicht so richtig mein Tag heute denn er brachte irgendwie mehr Tiefen als Höhen. Es ging schon bei der Abfahrt schlecht los; irgendwie fehlte etwas. Ich kam nur nicht darauf was. Die Brille? Nein – die hatte ich die letzten Tag auch nicht getragen, eine Uhr hatte ich nicht dabei. Was war es dann? Der Helm!! Ich hatte den Helm im Zimmer vergessen, was mir zum Glück nach einigen 100 Metern aufgefallen war. Also zurück und noch einmal vom Start.


Das Navi führte mich auf einer der großen SS aus der Stadt heraus und ca. 30 km nach Westen. Das WIE war dann eigentlich die einzige Höhe dieses Tages. Ich hatte keinen Rückenwind mehr sondern Rückensturm! So konnte ich recht mühelos längere Zeit mit 35-40 km/h über die Ebene flitzen, wobei ich an etwas vorbei fuhr, was ich vom Papier her gut kannte:


Wie man auf den Fotos erkennen kann war der Himmel von in der Früh an strahlend blau und auch die Temperaturen endlich einmal italienisch mit 31-33°C.

Und plötzlich als alles eigentlich so gut ging, ging plötzlich die Luft aus. Nicht dem Wind und auch nicht mir, dafür aber meinem Hinterrad. Und wie es immer ist natürlich nicht auf einer kleinen Nebenstraße unter einem schattigen Baum sondern auf einer SS mitten auf einer längeren Brücke über die Autobahn. Ich dachte erst es klebt nicht etwas auf dem Reifen. Als ich dann genau hinsah entdeckte ich das (km 60 das heutigen Tages):


Erst dachte ich noch ich könnte schnell bis zum Ende der Brücke fahren aber so schnell wie der Druck weg war konnte ich nicht einmal 20 Meter fahren. Was tun? Schieben? Durch die schweren Taschen und die lange Schrauben ist es so mitleiderregend gehoppelt, dass ich mich entschieden haben genau an dieser Stelle auf der Brücke den Schlauch zu reparieren. Es war einige der wenigen Brücken mit einer Leitschiene, hinter der noch ca. 80 cm Platz war. Platz genug und sicher genug auch. 7 bar mit einer kleinen Handpumpe pumpen ist auch kein Spaß - ansonsten habe ich oft genug Schläuche montiert, damit dies sonst nicht weiter schwierig war. Dafür fahren ich jetzt mit einem entsetzlich schweren Standard Hinterradschlauch herum...






Das Putztuch könnten meine Kollegen kennen - ich habe es beim unserem Saisonabschlussessen mitgenommen - ich wusste ja ich könnte es noch einmal brauchen :-) .

BTW: Nachdem das Wetter ja gut werden sollte habe ich mich erstmals getraut mein weißes Trikot + (teilweise) weiße Hose anzuziehen. Ich hatte da ja den guten Plan, dass das Vorteile in der Sonne mit sich bringt, hatte aber nicht bedacht die ich schon im Büro mit einem weißen Hemd aufpassen muss. Ungleich komplizierter ist es einen Schlauch zu wechseln ob das schöne weiße Outfit zu versauen... Überhaupt wird man durch 160 km neben dem Autoverkehr unglaublich schmutzig - und weiß erst recht.


Mit neuem Schlauch ging es dann weg von den größeren Straßen auf sehr schöne kleine aber gute Straßen durch die Obst- und Gemüsefelder. Hier werden vor allem Kiwi (wenn ich nicht so Kiwi-Experienced wäre, hätte ich mir wahrscheinlich eine geerntet und versucht zu essen ;-) ), Nektarinen und Wein sowie Mais angebaut. Kartoffel angeblich auch - zumindest gab es die überall zu kaufen - auf den Feldern habe ich sie nicht gesehen.
Bewässert wird das ganze mit einem ausgeklügelten Kanalsystem.





Natürlich durfte auch heute die Sackgasse Schotterstraße nicht fehlen. Diese Mal habe ich mich zum Glück dagegen entschieden diesen zu nehmen und bin weiträumig über die Straße außen herum (5 km Umweg). Als ich dann das Ende der Schotterpiste sah war ich froh sie nicht genommen zu haben. Die LKW fahren hier nämlich nicht nur auf Hauptstraßen sondern direkt zu den Feldern das Ob abholen - und dann eben auch über die Schotterwege (Staub so dicht, dass man nicht fahren könnte).

Und plötzlich passierte das, vor dem ich mich seit 2 Tagen gefürchtet habe. Mein Knie fing an stark weh zu tun - und das 60 km vor dem Ziel. 30 km vor dem Ziel habe ich dann völlig genervt noch einmal Pause gemacht und hatte mich gedanklich schon damit abgefunden von Genua wieder zurück nach Wien zu fahren. Denn mein Knie will ich mir nicht nachhaltig mit dieser Fahr ruinieren. Vorher war mir nur noch etwas aufgefallen; wenn ich mich weiter nach vorne beuge (Unterlenker fahren) dann ist es besser - wenn ich mich zurück lehne tut es weh. Ich habe daraufhin den Sattel 2 cm nach vorne geschoben (ich fahre sonst keine gekröpften Sattelstützen) und hatte das Gefühl es wurde danach besser.
Nach der Pause (ich hatte schon nach Flügen im Internet gesucht) tat es dann schon deutlich weniger weh?!

Die letzten Kilometer nach Piacenza waren dann unspektakulär wieder auf einer SS mit recht viel Verkehr. 

Ich hatte meine Unterkunft wieder über booking.com im Voraus gebucht und musste hierzu einmal quer durch die Stadt und war beeindruckt, vom dem was ich sah.





Nun galt es nur mehr mein Zimmer zu bekommen und dann wieder einen Stadtrundgang + Essen zu machen. Und nun wurde es kompliziert:

Jetzt wird es etwas detailliert - notfalls bitte weiter unten weiter lesen.

Der Schlüssel sollte in einer Pizzeria abgeholt werden. Leider war 1. niemand da, der zuständig war und 2. niemand, der zumindest etwas Englisch sprach. Es tauchten zwar immer wieder Personen auf, die irgendwie dazu gehörten aber Kellner oder Köche waren es nicht. Ich musste über 1/2 Stunden warten bis jemand kam. Wir gingen dann zu einem etwas schäbigen Wohnhaus und die Kontaktperson (es war noch ein 2. der etwas Englisch sprach mitgekommen) sagte ich sollte das Fahrrad einfach an der Straße am Zaun festmachen. SCHOCK - sicher nicht!!! Ich sagte das Fahrrad ist dafür zu teuer (Fehler!) und dass es keinesfalls draußen bleiben kann. Das haben sie zwar auch irgendwie verstanden, in das Zimmer durfte das Rad aber nicht. Dann wurde telefoniert, Schlüssel gebracht, noch mehr Schlüssel gebracht, wieder telefoniert, weitere Personen kamen, ca. 15 Min versucht mit 50 verschiedenen Schlüsseln eine Tür (sie sagten "Box" oder "Garage" dazu - tatsächlich war es der Keller :-) ) zu öffnen. Währenddessen fragt mich der 2. Begleiter immer wieder nach dem "teuren" Rad - und wie teuer es ist (was ich nicht beantwortet habe). Aber es fand sich einfach nicht der richtige Schlüssel. Erst einen Nachbarin hatte den richtigen Schlüssel - ein leuchtend blauer war es. Das Fahrrad wurde also in den Keller gestellt (einfach so in den Hauskeller - kein Abteil,...) und sollte dort bleiben. Dann tauchte auch noch der richtige Schlüssel auf und ich hatte auch einen, um das Rad am nächsten Tag wieder zu holen. 

Der Zimmer selber war sehr schön, das Badezimmer riesig aber das Haus schäbig und die Gegend eher schlecht. Als ich zum essen gehen wollte kam plötzlich der 2. Begleiter, der so viel zu dem Rad wissen wollte ins Haus und wirkte auf mich irgendwie überrascht, dass wir uns wieder trafen. Und was hatte er in der Hand? Den blauen Schlüssel für den Keller. Ich ging unauffällig weiter, hatte aber kein gutes Gefühl. Als ich mich umdrehte am Ende der Straße sah ich, dass er auch schon wieder zurück kam - immer noch mit dem Schlüssel in der Hand. Das war mir jetzt suspekt. Ich musste das Rad irgendwie aus dem Keller in mein Zimmer schaffen. Also schnell um 2 Straßenecken und als er vorbei war wieder ins Haus, alle Türen vorbereiten (man brauchte 5 verschiedene Schlüssel für alle Türen und Tore) und das Rad aus dem Keller holen und.....

Da war er plötzlich vor mir im Stiegenhaus als ich gerade das Rad aus dem Keller getragen hatte. Was nun? Ins Zimmer ging nicht weil ich das ja nicht durfte, wegfahren in die Stadt konnte ich nicht weil meine Zimmertür ja offen stand. Also stellte ich das Rad vor die Tür und lies mir Zeit mit dem Licht abdrehen, Kellertür versperren,... Er kam wieder aus dem Haus heraus und ging wieder zurück Richtung Pizzeria. Vorsichtig ums Eck geschaut, ob er eh weg ist, Rad genommen und schnell ins Zimmer und dann ohne gesehen zu werden in die Stadt.

Vielleicht unnötige Panik aber irgendwie war die Situation in Kombination mit diesen vielen Personen in der Pizzeria, die dort eigentlich nichts taten und dann noch die ungute Gegend für mich befremdlich und ich hatte nun ein besseres Gefühl.

Piacenza selber hat mich dann eher enttäusch. Es war wenig los und viel mehr als ich am Weg zur Unterkunft gesehen habe gab es auch nicht.

Die übrigen Bilder finden sich hier:



Tourdaten:

Gesamt km Reise: 803 km
Streckenlänge gefahren: 186,12 km
gefahrene Zeit: 6:45 h
Durchschnittsgeschwindigkeit 27,5 km/h
Maximalgeschwindigkeit: 48,8 km/h




Ausblick:

Die Route der 6. Etappe führt mich von Piacenza nach Genua (ich hatte ursrpünglich bis Arenzano geplant, dort gab es aber keine ordentlichen Hotels -> Genua) :

Eine Strecke, die zum Schluss mal wieder ein paar Höhenmeter dabei hat. 

Streckenlänge: 152 km
Höhenmeter aufwärts: 516m
Höchster Punkt: 508m


Die Wettervorhersage war leider eher schlecht. Schauer und nicht sehr warm (23°C)

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